Also: Entweder hat der Journalist Matthias Thieme von der Frankfurter Rundschau sich über der UNICEF-Affäre des letzten Winters (vgl. “Es werde Transparenz – Spendenmarkt im Umbruch“) mittlerweile am Thema “UNICEF” festgebissen, oder bei UNICEF Deutschland gibt es erneut eine Sache, die nicht unbedingt ein schmeichelhaftes Licht auf die Hilfsorganisation wirft. Diesmal im Kontext Erbschafts-Fundraising.

Konkret handelt es sich um den Nachlass – eine rund 600 Millionen Euro schwere Kunstsammlung – des 2002 verstorbenen Arztes und Millionärs Gustav Rau, eines modernen Albert Schweitzer, der trotz seines Reichtums wenig Wert auf eigenen Wohlstand gelegt zu haben scheint, und statt dessen sein Engagement und seinen Reichtum der Entwicklungshilfe zugute kommen ließ. Deswegen hat er auch zu Lebzeiten bereits mehrere Stiftungen in der Schweiz und in Liechtenstein gegründet, welchen er sein Vermögen übertragen hatte, um Hilfsprojekte in der so genannten Dritten Welt zu unterstützen.

Erst Ende 1999 habe sich der ehemalige Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Dietrich Garlichs, gemeinsam mit Rau bei einem Stuttgarter Notar getroffen, um die UNICEF-Stiftung zum alleinigen Erben einzusetzen. Allerdings sei der zu diesem Zeitpunkt bereits in Monaco unter Vormundschaft gestellte Rau wenige Tage vorher vom obersten Gericht der Schweiz für nicht geschäftsfähig erklärt worden.

Dennoch sei es auf Grund von Intervention der damaligen deutschen Bundesregierung im Sommer 2001 sogar zur Überführung der Rau’schen Kunstsammlung nach Deutschland gekommen, wo sie noch heute lagert. Gustav Rau wird auf der UNICEF-Seite auch unter dem Stichwort “Stifter für UNICEF” mit einer eigenen Seite geführt.

Ich hoffe, dass sich diese mysteriöse Geschichte möglichst schnell klärt. Wenn das jetzt ähnlich lange vor sich hinköchelt, wie die alte UNICEF-Affäre, würde dies dem Fundraising in Deutschland mit Sicherheit keinen guten Dienst erweisen.

Artikel zum Thema aus der Frankfurter Rundschau der letzten Woche:

Foto: penjelly – Quelle: www.flickr.de

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