Lag es an der vorabendlichen Kongress-Disco, die sich an den Gala-Abend angeschlossen hat, oder hatte der Kollege recht, der sagte: „Viele Teilnehmende kommen nur zum Kongress, um Handwerkszeug fürs Geldscheffeln zu bekommen.“? - Auf jeden Fall war die vom Leiter der Fundraising Akademie, Dr. Thomas Kreuzer, moderierte Ethik-Debatte, die unter dem Thema „Heiligt der gute Zweck alle Mittel?“ am heutigen Freitag-Morgen ab 9:00 Uhr stattfand angesichts der Brisanz des Themas mit lediglich etwa 50 Teilnehmenden relativ dürftig besucht.

Ich denke, das was Ingrid Alken vom Vorstand des Fundraising Verbandes sagte, trifft den Nagel auf den Kopf: „Die Zeit für die Ethik-Debatte im Fundraising ist eigentlich schon überreif.“ Am Nachmittag bei der Mitglieder-Versammlung des Fundraising Verbandes müsste daher auf jeden Fall der Entwurf der 19 Ethik-Regeln diskutiert und angenommen werden.

Ulrich Pohl, Pfarrer und Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel pflichtete ihr bei, indem er betonte, dass „Vertrauen“ das höchste Gut sei, welches wir hätten. Aber das würde auch sehr schnell verloren gehen, wenn man nicht mit der notwendigen Sensibilität aggiere. Und man müsste sehen, dass solche Affären wie der UNICEF-Skandal nicht nur für die betroffene Organisation negativ wäre, sondern auf die gesamte Fundraising-Arbeit ausstrahlen würde.

Dagegen vertrat Susanne Anger, Geschäftsführerin der Agentur Deutsche Fundraising Company, die Ansicht, dass wir statt einer Ethik-Debatte im Fundraising eher eine Professionalisierungs-Debatte führen müssten. Momentan würde in der gesamten Diskussion ein moralinsaurer Kleister über alles geschüttet und der Wille des Spenders werde über alles andere gestellt. Statt 19 Ethik-Regeln aufzustellen, sollten wir lieber in die Öffentlichkeit kommunizieren, dass Spendensammeln eine sehr komplexe Angelegenheit ist, und dass es für die nachhaltige Erreichung von Zielen der Hilfsorganisationen manchmal auch sinnvoll sein kann, Spenden zu sammeln, die nicht unmittelbar in ein medial aufgeladenes Krisengebiet fließen, sondern den vielen unbekannten Katastrophen zu Gute kommen.

Der Sozialphilosoph Prof. Dr. Rüdiger Volz vertrat in der Debatte eine gewisse Kompromissposition: Eine schriftlich fixierte Ethik sei wichtig für die Selbstreflexion. Schließlich handelten wir alle immer schon ethisch - es sei nur die Frage, nach welchem Ethos. Statt eines Ethik-Ausschusses müsste es nach seiner Vorstellung eigentlich eher einen Beratungs-Ausschuss, in dem sich die Fundraiserinnen und Fundraiser gegenseitig kollegial beraten. Also weg von einer Ethik der Imperative hin zu einer Ethik der Beratung.

Ich selber bin hier eher dafür, klare Ethik-Regeln festzuschreiben, die dann auch eine hohe Verbindlichkeit für alle Fundraiserinnen und Fundraiser in Deutschland haben sollten. Ich denke, damit würde die Fundraising-Arbeit in Deutschland auch eine hohe qualitative Wertigkeit erhalten. Wir müssen der Öffentlichkeit deutlich machen, dass wir ethische Regeln haben, und uns auch daran messen lassen. Das würde auch das Vertrauen der Menschen in das gesamte Fundraising erhöhen. Das kann uns und unserer Arbeit nur gut tun.

Foto: Gerd Altmann (geralt) - Quelle: www.pixelquelle.de

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