Kongress-Splitter, Teil 3 – Ethik versus Professionalität? – Online-Tagebuch vom Fundraising Kongress 2008
April 16, 2008
Nachdem Rüdiger Sornek, der Vorsitzende des Deutschen Fundraising Verbandes den Kongress mit den Worten “Ich erkläre den Fundraising Kongress 2008 für eröffnet” eröffnet hatte, ging es erstmals richtig offiziell zu dem Thema, welches die Fundraiserinnen und Fundraiser nach der UNICEF-Affäre wahrscheinlich am meisten bewegt: Welche Konsequenzen hat die ganze Geschichte auf die Spendenwerbung.
Unter dem Titel „Spendenwerbung – um jeden Preis?“ fand sich für eine Eröffnungsdiskussion ein illustrer Debatten-Kreis zusammen. Unter Moderation der Journalistin Ulrike Holler setzte sich ein bedauerlicherweise ausschließlich männlich besetzes Podium aus Dr. Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, Rupert Neudeck, Vorsitzender des Friedenscorps Grünhelme, Burkhard Gnärig, Geschäftsführer des Berlin Civil Society Center, Patrick Tapp, Geschäftsführer der Agentur Dialog Frankfurt und Kai Fischer, Vorsitzender des Ethikausschusses des Deutschen Fundraising Verbandes mit der Frage auseinander. Der angekündigte Vertreter der Frankfurter Rundschau, welche die ganze UNICEF-Affäre erst ins Rollen gebracht hatte (vgl. UNICEF: Fundraising-GAU vor Weihnachten?), Stephan Hebel, musste leider wegen Hexenschuß absagen – und einen Ersatz für ihn hat die Frankfurter Rundschau anscheind nicht auftreiben können.
Preuß hatte im Rahmen der Diskussion die Möglichkeit, nochmals den Neun-Punkte-Plan „Transparenzinitiative der Entwicklungszusammenarbeit“ anzusprechen, die als Konsequenz aus der UNICEF-Affäre entstanden sind (vgl. Beitrag 9-Punkte-Plan für Vertrauen). Für Preuß war die ganze UNICEF-Affäre daher auch eine Chance und hat im gesamten Gemeinnützigkeitssektor eine Debatte angestoßen: „Wir sind alle etwas UNICEF“, sagte er in diesem Kontext. Zwar habe es auch einige Stimmen gegeben, die hier einfach wegducken und Gras über die Sache wachsen lassen wollten („Der Spender will glauben und nicht wissen“). Auch Fischer war der Ansicht, dass mit dieser Affäre immerhin ein wichiger Diskurs im Verband angestoßen worden sei, der ohne diese Affäre wahrscheinlich gar nicht so leidenschaftlich geführt werden würde.
Kontrovers wurde die Position des Agentur-Geschäftsführer Tapp gesehen, der die Ansicht vertrat, dass sich das Fundraising nicht so sehr mit dem Thema „Ethik“ auseinandersetzen müsse, sondern vielmehr mit dem Thema „Professionalität“. Transparenz sei dann die automatische Folge der Professionalität, weswegen das Streben nach ihr in den Vordergrund gestellt werden müsse. Der ganze Neun-Punkte-Plan würde viel zu viel darüber erzählen, was man wolle, aber nichts darüber, was man mache.
Zur professionellen Arbeit gehöre natürlich auch, dass man seine Betriebskosten darlege (Tapp wollte hier nicht von „Verwaltungskosten“ reden, da dieser Begriff nicht zielführend sei). Und dann müsste geschaut werden, mit welchen Betriebskosten man sinnvoll ein gutes Ergebnis erzielen könne.
In der Debatte um das Deutsche Zentral Institut (vgl. DZI-Spendensiegel: Geprüft + Empfohlen!?) vertrat Preuß in Anlehnung an den Neun-Punkte-Plan die Ansicht, dass das DZI erheblich gestärkt werden müsse. Es sei in diesem Kontext tragisch, dass das DZI erst von einer Zeitung auf Verstöße von UNICEF gegen die DZI-Kriterien aufmerksam gemacht werden mußte, statt selber diese Probleme festzustellen. Das DZI müsse daher auch selbständig aktiv prüfen können. Dagege vertrat Neudeck die Ansicht, dass man das DZI-Siegel doch am besten gleich abschafft. Es sei ohnehin nur eine Organisaiton, die dem Bedürfnis der Deutschen nach Bürokratie entgegenkomme.
Gnärig vertrat dazu die Ansicht, dass die gemeinnützigen Organisationen ohnehin viel offensiver die Kosten kommunizieren müssten, die mit dem Fundraising zusammenhängen würden. In den USA sei das schon lange üblich.
Insgesamt wäre eigentlich mindestens auch noch ein Saalmikrofon notwendig gewesen. Denn auch wenn die Zeit für diese Debatte am Eröffnungsabend knapp war, wurde von manchen Referenten auf dem Podium Positionen vertreten, aus denen erkennbar wurde, dass sie sich nicht unbedingt sehr vertieft mit der UNICEF-Affäre auseinandergesetzt zu haben scheinen. Hier wäre die eine oder andere Korrektur von Seiten des Auditoriums ganz sinnvoll gewesen.
Ich bin gespannt auf die weitere Debatte auf dem Kongress.
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