siegel.jpg„DZI-Spendensiegel: Geprüft + Empfohlen“: So steht es auf dem Spendensiegel, mit welchem die vom Deutschen Sozialinstitut für soziale Fragen (DZI) gesiegelten gemeinnützigen Organisationen um Spenden werben.

Nun wurde dem Deutschen Komitee der UNICEF das DZI-Siegel entzogen. Einer der Gründe, die das DZI in seiner Pressemitteilung für den Siegel-Entzug nennt, ist, dass UNICEF bereits seit 2005 wahrheitswidrig behauptet hat, keine Provisionen für die Vermittlung von Spenden zu bezahlen. Letztlich ausschlaggebend war nach Information des DZI allerdings, dass auch im Rahmen der Nachprüfungen durch das DZI ein unzureichendes Auskunftsverhalten bei UNICEF festgestellt wurde, welches den Entzug des Spenden-Siegels unumgänglich machte.

Angesichts dieser massiven Vorwürfe kann ich schon fast nur noch mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass der Interimsvorsitzende von UNICEF Deutschland, Reinhard Schlagintweit, sich – wie der Bonner Wirtschaftsblog zitiert – dennoch weiterhin in beschwichtigender Relativierung übt: „Wir wissen, dass schwere Fehler gemacht wurden. Die Punkte, die vom DZI kritisiert werden, sind jedoch Ausnahmefälle.“

Kann er nicht ganz einfach klar und deutlich sagen, dass UNICEF verdammt großen Mist gebaut und der Spendenbereitschaft in Deutschland erheblichen Schaden zugefügt hat, und alles in seiner Macht stehende unternehmen wird, um das Vertrauen der Menschen in UNICEF und die Spendenorganisationen wieder herzustellen? Denn es geht ja nicht „nur“ um die 20.000 Dauerspender, die UNICEF mittlerweile verloren hat, sondern es geht - wie eine im Auftrag des stern durchgeführte Forsa-Umfrage der letzten Tage gezeigt hat - um die Spendenbereitschaft der gesamten Bevölkerung gegenüber gemeinnützigen Organisationen: Jeder Vierte Bundesbürger überlegt vor dem Hintergrund der UNICEF-Affäre mittlerweile, gemeinnützigen Organisationen weniger Spenden zukommen zu lassen als bislang.

Überaus bedauerlich finde ich allerdings auch, dass die für den Siegel-Entzug zu Grunde liegende Untersuchung nicht auf Grund von regelmäßig stattfindenden Prüfungen der gemeinnützigen Organisationen durch das DZI durchgeführt wurde, sondern – wie das DZI selber einräumt – erst auf Grund der Berichterstattung in der Presse in Gestalt der Frankfurter Rundschau (FR). Die FR hatte nach einem anonymen Brief Ende November des letzten Jahres erstmals auf die Spenden-Probleme hingewiesen, was dann die ganze UNICEF-Affäre erst ins Rollen brachte.

Eigentlich hätte ich erwartet, dass das DZI bei seinen Prüfungen selber auf solche Probleme aufmerksam wird, wegen derer jetzt der UNICEF das Siegel entzogen wurde. Zumal wenn, wie das DZI selber deutlich macht, die Missstände bereits seit 2005 andauern, ohne dass dies bei den Prüfungen festgestellt wurde. So wurde das DZI selber erst auf Grund der Medienberichte darauf aufmerksam.

Ich befürchte, dass dies negative Auswirkungen sowohl auf die Wertigkeit des DZI-Siegels als auch auf das Ansehen der gesiegelten Organisationen haben wird. Denn das DZI-Siegel bekommt vor diesem Hintergrund den Anschein, eigentlich keine wirkliche Garantie dafür zu bieten, dass nur die gemeinnützigen Organisationen aus der riesigen Anzahl an Spendenorganisationen das Siegel erhalten, denen eine Spenderin resp. ein Spender vorbehaltlos seine Spenden anvertrauen kann, sondern das Siegel auch mit ein paar Tricks oder indem man manches verschweigt erlangt werden kann.

Immerhin hat das DZI jetzt Konsequenzen gezogen: In der bereits erwähnten Pressemitteilung kündigt es an, die Vergabekriterien des Spenden-Siegels nun auf mehr Transparenz hin zu verschärfen. Soweit ich sehe, werden dabei zwar höhere Offenlegungspflichten gefordert, allerdings weiterhin darauf gesetzt, dass die gemeinnützige Organisation, welche das Spenden-Siegel beantragt, die entsprechenden Informationen und Unterlagen, wie bisher, freiwillig zur Verfügung stellt. Das öffnet m.E. Verschleierungsmöglichkeiten weiterhin Tür und Tor.

Um die Glaubwürdigkeit des DZI-Spenden-Siegels zu erhöhen, würde ich eher erwarten, dass eines der Kriterien der Siegel-Vergabe ist, dass beantragende gemeinnützige Organisationen zustimmen, zu jedem Zeitpunkt unangemeldete Prüfer des DZI in sämtliche mit dem Fundraising zusammenhängende Akten schauen zu lassen.

Wenn dann regelmäßig Stichproben in nur einigen wenigen, zufällig ausgewählten der gesiegelten Organisationen stattfinden würden, wäre schon viel erreicht. Denn die Gefahr würde steigen „erwischt“ zu werden. Und zudem würde das DZI selber das Heft in die Hand nehmen und ggf. schwarzen Schafen das Spenden-Siegel entziehen, ohne erst von den Medien auf Missstände aufmerksam gemacht werden zu müssen.

Der gesamten Fundraising-Szene würde das wahrscheinlich sehr gut tun.

Die heutige Pressemitteilung des DZI: “UNICEF Deutschland verliert das DZI Spenden-Siegel”

Foto: S. Hofschlaeger - Quelle: www.pixelquelle.de

One Response to “DZI-Spendensiegel: Geprüft + Empfohlen!?”

  1. Es werde Transparenz - Spendenmarkt im Umbruch « menschenfischer.net Says:

    [...] DZI-Spendensiegel: Geprüft + Empfohlen!? [...]

Leave a Reply