euro.jpgWenn ich in meinen Fundraising-Schulungen Anfängern im Bereich Fundraising beibringen muss, dass man nicht für Projekt A Spenden einwerben kann, die man dann aber für Projekt B einsetzt, kann ich das verstehen.

Wenn so etwas bei einer eigentlich professionell arbeitenden Organisation wie UNICEF geschieht, kann ich davon allerdings graue Haare bekommen: Wie die Frankfurter Rundschau in den letzten Tagen berichtete, hat UNICEF aus einer 500.000-Euro-Spende des Lebensmittel-Discounters Lidl zu Gunsten der Tsunami-Opfer nicht nur unberechtigt und ohne Absprache mit dem Spender Provisionen in Höhe von rund 30.000 Euro an einen der externen Berater bezahlt, der gar zudem gar nicht in die eigentliche Akquise der Spende eingebunden war (vgl. Artikel in der FR: Unicef-Chef Garlichs saß neben Lidl-Chef). Darüber hinaus wurde die Spende auch nicht für den Spendenzweck eingesetzt, sondern ging in das Stiftungs-Kapital der UNICEF-Stiftung.

Ich denke, es ist gut, dass mit dem Rückzug des Geschäftsführer und der anstehenden Neuwahl des Vorstandes jetzt endlich ein Neuanfang angegangen wird. Und die ganze Affaire hat zumindest den positiven Nebeneffekt, dass die Debatte um Transparenz der Spendenorganisationen und der Spendenflüsse eine unerwartet starke Dynamik bekommen hat. Ich vermute daher mal stark, dass solche Diskussionsforen wie “Heiligt der gute Zweck alle Mittel?” oder Plenums-Vorträge wie “The Importance of Ethics in Fundraising”, welche Interessierte im Programm des Deutschen Fundraising Kongresses 2008 finden, mit sehr großer Aufmerksamkeit rechnen können.

Matthias Thieme, der Journalist der Frankfurter Rundschau, der im Regelfall als Autor über den Artikeln und Kommentaren zur UNICEF-Affaire steht, hat in seinem heutigen Kommentar gefordert: “Unicef muss gläsern werden“. – Ich denke, dieser Herausforderung sollten wir uns im professionellen Fundraising in allen Organisationen und bei allen Spendenprojekten gerne stellen.

Eine Dokumentation über die gesamte UNICEF-Affaire finden Interessierte auf der Website der Frankfurter Rundschau: Der UNICEF-Skandal

Foto: S. Hofschlaeger – Quelle: www.pixelquelle.de

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