Problemfeld Denglisch
Oktober 20, 2007
Beim Grundbegriff des Metiers fängt es schon an. Neben der Tatsache, dass ich mittlerweile sehr unterschiedliche und teilweise doch auch recht belustigende Formen vernommen habe, das Wort “Fundraising” in phonetischen Zeichen zu Gehör zu bringen kommt häufig genug die leicht genervte Frage: “Gibt es denn da keinen deutschen Begriff dafür?”, meist gekoppelt mit dem Vorschlag: “Sagen wir doch einfach Spenden-Sammeln!”
Wer sich den Punkt “Selbstverständnis” in der rechten Leiste durchgelesen hat, wird verstehen, dass ich über solch eine Engführung des Begriffs “Fundraising” auf den rein monitären Charakter der Spenden-Akquise nicht unbedingt glücklich bin (vgl. dazu auch mein Artikel im Fundraiser-Magazin Sommer 2007, Seiten 24-25: “Kräfte bündeln für Visionen - Kirche und Customer Relationsship Management”). Ich versuche dann immer deutlich zu machen, dass Fundraising so viel mit Beziehungsaufbau und -pflege sowie mit Netzwerken zu tun hat, dass man dem Fundraising eigentlich sogar missionarischen Charakter zuschreiben müsste. Auf der Gegenseite ernte ich dann häufig erst mal erstaunte Gesichter …
Meist führe ich auch an, dass Sprache etwas Lebendiges ist und nichts Statisches. Der Journalist Menso Heyl vom Hamburger Abendblatt hat dies in einer Antwort auf einen Leserbrief sehr amüsant und treffend beschrieben, der u.a. darauf hinweist, dass in Kanada “Gesundheit” sagt, wenn jemand erkältet ist und man dort auch sehr viel mit “Wanderlust”, “Rucksack” und “Lederhosen” anfangen kann (vgl. “Man spricht Deutsch …”).
Und selbst im Kirchen-Deutsch verwenden wir aus anderen Sprachen längst eine riesige Menge an Fremdworten, die uns selbst schon längst Deutsch geworden sind. Nur drei Beispiele: Amen (hebräisch: So sei es / Wahrlich, das geschehe), Evangelium (griechisch: Frohe Botschaft / das, was ein Freudenbote mit sich bringt), Bibel (griechisch: die Papierrolle / das Buch).
Allerdings kann ich auch gut verstehen, dass manche Menschen auf eine überzogene Verwendung von Anglizismen mit an Allergie grenzenden Reaktionen aufwarten. Denn der Journalist Heinz-Jörg Graf stellt in einem Beitrag für das DeutschlandRadio (”Das ‘Denglisch’-Problem“) m.E. zu recht fest, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens wahrscheinlich wenig von der ihnen entgegengebrachten Wertschätzung verstehen, wenn sie von ihrem Unternehmenschef gesagt bekommen, dass sie die wichtigsten “assets” (bedeutende Vermögenswerte!) seien, oder wenn von ihnen ein “Chance of Mindset” verlangt wird, statt einem Bewußtseinswandel.
Versuchen wir dort deutsch zu reden, wo es möglich ist, und dort die fremdsprachigen Fachbegriffe, wo es nötig ist. Aber ich fürchte, hier werden die Meinungen darüber, was “möglich” und was “nötig” ist, teilweise ziemlich weit auseinanderliegen.
Foto: Mary L. - Quelle: www.pixelquelle.de
Leave a Reply